Drupal-Kurse an der Rostocker VHS vor dem Aus?
Vor vier Jahre fand der erste Drupal-Kurs an der Volkshochschule Rostock statt. Er hatte den Titel “Zur professionellen Homepage in 14 Tagen” und wurde ein “Verkaufsschlager”. Anfangs bot ich den Teilnehmern selbst gehostete (Multisite) Websites an, seit eineinhalb Jahren nutze ich DrupalGardens als Hosting Plattform. Mein Ziel mit dem Kurs ist es, Leuten beim Erstellen einer eigenen Website zu helfen, die eigentlich nicht viel mit dem Rechner und dem Rein-Schreib-Internet zu tun haben. Bei diesem Unterfangen war der Wechsel zu DrupalGardens eine wesentliche Erleichterung, allein wegen der Bildergalerie “out of the box” und der D7 User experience.
Beim Wahl der Hosting-Plattform war mir wichtig, dass die Teilnehmer nach dem Kurs wählen können, ob sie
- die Website weiter kostenlos betreiben ohne sich um Updates kümmern zu müssen,
- einen gewissen Jahresbeitrag bezahlen und dafür einen eigenen Domainnamen bekommen,
- die Website selbst hosten, um mehr Performance und Flexibilität bei der Modul- und Themeauswahl haben (und sich dafür mit der Drupal-Administration beschäftigen müssen).
Mittlerweile bin ich jedoch an dem Punkt angekommen, dass ich diese Kurse nicht weiterführen will. Ich hatte in den Kursen und mit den Menschen immer viel Spaß. Aber zu wenige von ihnen sind letztlich dabei geblieben – zu viele haben sich durch den Kurs gequält, viel Geld und Zeit investiert und trotzdem keine eigene Website. Ich erreiche also permanent mein persönliches Kurzziel nicht.
Ich bin mir dank des positiven Teilnehmerfeedbacks sicher, dass es (nach den vier Jahren) nicht primär an mir als Trainer liegt, den Stoff zu vermitteln. Den Teilnehmern fehlt jedoch neben dem Feierabend-Engagement (30 Abendstunden in ~2 Wochen) die Zeit, sich nochmal ~50 Stunden am heimischen PC an das Website-projekt zu setzen. Und ich habe festgestellt, dass Drupal 7 auch mit all den #d7ux-Erfolgen und Verbesserungen an der Bedienoberfläche zu kompliziert für Neueinsteiger ist.
Als Konsequenz könnte ich im Kurs auf WordPress wechseln, die ja auch ein kostenlose Hosting-Plattform anbieten, welches obigen Auswahlkriterien entspricht. Oder mit Jimdo eine kommerzielle Plattform mit Freemium-Preismodell nutzen. In beiden Fällen wäre es aber nicht mehr mein Kurs, ich will eben mit Drupal arbeiten. Die Option “Website-Baukasten-Software auf dem PC installieren und dann ins Intrnet speichern” kommt für mich gar nicht in Frage.
Im Moment denke ich also darüber nach, den Kurs nicht weiterzuführen. Ich habe noch ein paar Wochen Zeit mich zu entscheiden, aber habe (noch) keine gute Idee, wie ich meine persönlichen Erwartungen, die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer und die verfügbaren Software-Alternativen zusammenbringen kann.




7 Kommentare
rokr
16. Januar 2012Wir wissen ja, dass sich mit Drupal sehr komplexe Anforderungen lösen lassen, was zunehmend auch nachgefragt wird. Gleichzeitig würde ich jedem raten, dessen Hauptjob es nicht ist, Webseiten zu bauen, es möglichst einfach zu halten/machen. Du hast das ja im Grunde am eigenen Blog auch gerade durchlebt. Und so gibt es zahlreiche Tools, die nach der Installation ein ausreichendes Setting für den Betrieb eines speziellen Themas bereitstellen. Jimdo empfehle ich übrigens auch sehr oft. Nicht das verwendete Tool ist das Ziel, sondern das damit zu erreichende Ergebnis. Insofern kann ich nur vermuten, dass sich die Erwartungen der Teilnehmer nicht mit dem decken, was tatsächlich realistisch und leistbar ist. Zumindest über einen längeren Zeithorizont, der 30 Stunden übersteigt.
Dirk Rüdiger
16. Januar 2012Dem kann ich voll zustimmen. Drupal ist nicht das Mittel der Wahl für diese Benutzergruppe.
Nun ist für mich die Frage: Will ich den Kurs auch geben, wenn das Werkzeug nicht meine erste oder zweite Wahl ist. Und ob ich das Problem mit dem Zeitbudget und der Lernkurve bei den Teilnehmern mit einem Austausch der Software löse.
rokr
16. Januar 2012Die Frage ist doch: willst du einen Kurs mit dem Thema “Drupal” geben, oder mit dem Thema “wie befähige ich Leute, Ideen sinnvoll im Internet umzusetzen?”. Vermutlich wirst du in beiden Fällen Publikum finden, aber das zweite Thema scheint mir “kundennäher”. Über das erste Thema sollten wir mal reden, denn möglicherweise ist die VHS nur der falsche Rahmen. :-)
Dirk Rüdiger
20. Januar 2012Zur Kundenansprache: In der Kursankündigung steht nix von Drupal. Es ist jedoch mein Werkzeug für das Erreichen des Ziels “Der schnelle Weg zur professionellen Homepage”.
Ich schaue mir jetzt noch mal die Alternativen an und werde mich vielleicht in Kundennähe üben und einen Kurs mit einem dieser Kandidaten machen.
Olav Schettler
7. März 2012Hallo Dirk,
ich habe noch nicht genau verstanden, warum deine Kursteilmer am Ende keine eigene Website haben. Liegt es tatsächlich am Tool?
Vielleicht ist den Leuten einfach nicht klar, was sie letztlich mit ihrer Seite anstellen wollen. In diesem Fall hätten sie mit WordPress, Joomla, Typo3 -egal- exakt dasselbe Problem.
Vielleicht ist das Kursziel mit “Zur professionellen Homepage in 14 Tagen” zu unspezifisch? Die VHS spricht doch in erster Linie Privatleute und kleine Gewerbetreibende an, nicht? War das deine Klientel? Was haben die Leute für Erwartungen an ihren Auftritt im Web? Wollen sie ihr Hobby darstellen? Ihren Frisörladen vorstellen? In Kontakt mit anderen (Freunden, Kunden, Auftraggebern) kommen? Termine ihrer Fußballmannschaft koordinieren? Eigene Artikel schreiben? Fotos von ihren Kindern mit den Großeltern teilen? Etwas verkaufen? Veranstaltungen ankündigen? Newsletter versenden? Sehr unterschiedliche Ziele.
WordPress, Joomla, Typo3 usw. sind jeweils auf wenige Anwendungsfälle spezialisiert. Natürlich kann man mit jedem dieser Tools alles mögliche bauen. Aber es wird dann auch schnell kompliziert, wenn man von den jeweils typischen Anwendungsfällen abweicht.
Mit Drupal und speziell Drupal Gardens sollte man eigentlich in all den genannten Anwendungsfällen einfach zu pflegende Websites hinbekommen. Es wäre spannend, noch etwas mehr zur Struktur deines Kurses zu erfahren. Wenn du magst, kannst du mich mal per E-Mail oder über meine Website ansprechen. Wäre doch schade, wenn der schöne Norden unserer Republik plötzlich orientierungslos in Sachen Web würde.
Viele Grüße aus Bonn, Olav
Martin
20. März 2012Hallo Dirk, vieleicht gibt es ja die Möglichkeit, das ganze mal anders aufzuziehen:
Kurs als Bildungsurlaub anbieten, an WoE, mit Angebot Übernachtung (z.b. Jugendherberge) Vorraussetzung ändern: Teilnehmer sollten schon mit anderen CMS Systemen gearbeitet haben oder eben sich wg. Beruf auf Drupal einlassen wollen und rudimentäre Englischkenntnisse besitzen. Der Kurstitel sollte auch entsprechend sein.
Für ein breites Publikum, welches einfach Webseiten erstellen will, ist Drupal -glaube ich- derzeit zu speziell. Wie gesagt: die Zielgruppe sollte eine andere sein. Im weitesten Sinne aus der Materie.. Otto N. und Karla Mustermann sind`s eher nicht…
Ausserdem ist ein Bildungsurlaub auch finanziell eine andere (bessere) Nummer.
Komme selbst aus der Joomla Ecke und bin in einem Gespräch mit Werner Loppessan auf dem CeBIT Stand sozusagen zum “Zusteiger” für Drupal geworden. (möchte gerne eine elektronische Patientenakte im Intranet umsetzen…jo, long way…)
Ein Kurs wie oben beschrieben suche ich jedenfalls bisher vergeblich. Also Thema Umsteiger. Teilnemern erst noch ein FTP Programm zu erklären wär z.b. fehl am Platz.
Soweit. Schönen Gruss aus dem Wendland Martin
Dirk Rüdiger
27. März 2012Hallo Martin,
Klingt gut, wirklich. Aber: Ich selbst kann das nicht leisten. Die VHS-Kurse liefen immer so “nebenbei”. Das wäre mit dem Bildungswochenende neben meiner eigentlichen Arbeit so nicht erreichbar.
Aber ich möchte gern drüber nachdenken, vielleicht zündet die idee ja doch noch!
Viele Grüße, Dirk