Drupal-Kurse an der Rostocker VHS vor dem Aus?

Veröffentlicht von am Jan 15, 2012 in Drupal | 4 Kommentare

Vor vier Jahre fand der erste Drupal-Kurs an der Volkshochschule Rostock statt. Er hatte den Titel “Zur professionellen Homepage in 14 Tagen” und wurde ein “Verkaufsschlager”. Anfangs bot ich den Teilnehmern selbst gehostete (Multisite) Websites an, seit eineinhalb Jahren nutze ich DrupalGardens als Hosting Plattform. Mein Ziel mit dem Kurs ist es, Leuten beim Erstellen einer eigenen Website zu helfen, die eigentlich nicht viel mit dem Rechner und dem Rein-Schreib-Internet zu tun haben. Bei diesem Unterfangen war der Wechsel zu DrupalGardens eine wesentliche Erleichterung, allein wegen der Bildergalerie “out of the box” und der D7 User experience.

Beim Wahl der Hosting-Plattform war mir wichtig, dass die Teilnehmer nach dem Kurs wählen können, ob sie

  • die Website weiter kostenlos betreiben ohne sich um Updates kümmern zu müssen,
  • einen gewissen Jahresbeitrag bezahlen und dafür einen eigenen Domainnamen bekommen,
  • die Website selbst hosten, um mehr Performance und Flexibilität bei der Modul- und Themeauswahl haben (und sich dafür mit der Drupal-Administration beschäftigen müssen).

Mittlerweile bin ich jedoch an dem Punkt angekommen, dass ich diese Kurse nicht weiterführen will. Ich hatte in den Kursen und mit den Menschen immer viel Spaß. Aber zu wenige von ihnen sind letztlich dabei geblieben – zu viele haben sich durch den Kurs gequält, viel Geld und Zeit investiert und trotzdem keine eigene Website. Ich erreiche also permanent mein persönliches Kurzziel nicht.

Ich bin mir dank des positiven Teilnehmerfeedbacks sicher, dass es (nach den vier Jahren) nicht primär an mir als Trainer liegt, den Stoff zu vermitteln. Den Teilnehmern fehlt jedoch neben dem Feierabend-Engagement (30 Abendstunden in ~2 Wochen) die Zeit, sich nochmal ~50 Stunden am heimischen PC an das Website-projekt zu setzen. Und ich habe festgestellt, dass Drupal 7 auch mit all den #d7ux-Erfolgen und Verbesserungen an der Bedienoberfläche zu kompliziert für Neueinsteiger ist.

Als Konsequenz könnte ich im Kurs auf WordPress wechseln, die ja auch ein kostenlose Hosting-Plattform anbieten, welches obigen Auswahlkriterien entspricht. Oder mit Jimdo eine kommerzielle Plattform mit Freemium-Preismodell nutzen. In beiden Fällen wäre es aber nicht mehr mein Kurs, ich will eben mit Drupal arbeiten. Die Option “Website-Baukasten-Software auf dem PC installieren und dann ins Intrnet speichern” kommt für mich gar nicht in Frage.

Im Moment denke ich also darüber nach, den Kurs nicht weiterzuführen. Ich habe noch ein paar Wochen Zeit mich zu entscheiden, aber habe (noch) keine gute Idee, wie ich meine persönlichen Erwartungen, die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer und die verfügbaren Software-Alternativen zusammenbringen kann.

flattr this!

4 Kommentare

  1. rokr
    16. Januar 2012

    Wir wissen ja, dass sich mit Drupal sehr komplexe Anforderungen lösen lassen, was zunehmend auch nachgefragt wird. Gleichzeitig würde ich jedem raten, dessen Hauptjob es nicht ist, Webseiten zu bauen, es möglichst einfach zu halten/machen. Du hast das ja im Grunde am eigenen Blog auch gerade durchlebt. Und so gibt es zahlreiche Tools, die nach der Installation ein ausreichendes Setting für den Betrieb eines speziellen Themas bereitstellen. Jimdo empfehle ich übrigens auch sehr oft. Nicht das verwendete Tool ist das Ziel, sondern das damit zu erreichende Ergebnis. Insofern kann ich nur vermuten, dass sich die Erwartungen der Teilnehmer nicht mit dem decken, was tatsächlich realistisch und leistbar ist. Zumindest über einen längeren Zeithorizont, der 30 Stunden übersteigt.

    Antworten
    • Dirk Rüdiger
      16. Januar 2012

      Dem kann ich voll zustimmen. Drupal ist nicht das Mittel der Wahl für diese Benutzergruppe.

      Nun ist für mich die Frage: Will ich den Kurs auch geben, wenn das Werkzeug nicht meine erste oder zweite Wahl ist. Und ob ich das Problem mit dem Zeitbudget und der Lernkurve bei den Teilnehmern mit einem Austausch der Software löse.

      Antworten
      • rokr
        16. Januar 2012

        Die Frage ist doch: willst du einen Kurs mit dem Thema “Drupal” geben, oder mit dem Thema “wie befähige ich Leute, Ideen sinnvoll im Internet umzusetzen?”. Vermutlich wirst du in beiden Fällen Publikum finden, aber das zweite Thema scheint mir “kundennäher”. Über das erste Thema sollten wir mal reden, denn möglicherweise ist die VHS nur der falsche Rahmen. :-)

        Antworten
        • Dirk Rüdiger
          20. Januar 2012

          Zur Kundenansprache: In der Kursankündigung steht nix von Drupal. Es ist jedoch mein Werkzeug für das Erreichen des Ziels “Der schnelle Weg zur professionellen Homepage”.

          Ich schaue mir jetzt noch mal die Alternativen an und werde mich vielleicht in Kundennähe üben und einen Kurs mit einem dieser Kandidaten machen.

          Antworten

Hinterlasse eine Antwort